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10 Stundenlauf

thomas

Moderator
Ich bin vor einigen Jahren (2012) über einen Lauf gestolpert der sich "Apfelstädter Sonnenuntergangs-Sonnenaufgangslauf" nennt und immer gegen Ende Mai stattfindet. Der Name klang interessant. Also mal gegooglet ...und siehe da, in Thüringen, Nähe Drei Gleichen, also gar nicht sooo weit weg von mir. Kurzentschlossen angemeldet.

Um da nicht noch mal einen Bericht schreiben zu müssen, hab ich den damaligen einfach mal kopiert und hänge ihn hier dran! :rolleyes:

Apfelstädter Sonnenuntergangs - Sonnenaufgangslauf
Anfang des Jahres fiel mir beim Schuhkauf, im Laufladen meines Vertrauens, ein Flyer von der dritten Austragung des Apfelstädter Sonnenuntergangs - Sonnenaufgangslauf in die Hände. Dann ist dieser einige Wchen auf meinem Schreibtisch verschwunden und mir vor kurzem wieder in die Finger gekommen. Habe ihn einem Freund gezeigt ...und dieser hat sich gleich angemeldet. Tja, was soll ich sagen. Es hat nicht lange gedauert und wir standen beide auf der Teilnehmerliste. Wir sind am Freitagabend gegen 18 Uhr losgefahren und waren kurz vor 20 Uhr vor Ort in Apfelstädt, einem verschlafenen Dörfchen zwischen Gotha und Erfurt, Gemeinde Drei Gleichen. Start Nr. abgeholt und wegen der schwül warmen Temperaturen der letzten Tage kurz/kurz angezogen und schon mal eine Runde abgegangen, solange wir noch sehen konnten wie der Streckenverlauf bzw. Zustand ist. Gelaufen wurde auf einer ca. 1,7 Km langen Runde, die durch ein hübsches Laubwäldchen unmittelbar am Ufer der Apfelstädt entlangführte und nach der Hälfte der Strecke, an der einzigsten Laterne weit und breit, aus dem Wald heraus auf die Zufahrtsstraße zum Schützenhaus, das Start und Ziel war, zurückführte. Auf dieser "Einführungsrunde" hab ich, ganz Hausmeister, erstmal Brennnesseln am Rand entfernt, Astbruch vom Weg geräumt und in Kopfhöhe hängende Äste beseitigt. Aber schon auf dieser noch im hellen abgegangenen Runde bemerkt, das von der Schwüle nichts mehr zu spüren war und es am Wasser recht frisch wurde. Also vorsichtshalber doch noch mal umgezogen. Dünne lange Tight und dünnes Langarm mit Kurzarm drüber und 100 Gr. Windjacke um die Hüfte. Kaum fertig, schon ging es los. Punkt 22 Uhr setzten sich unter dem Gewummere von AC/DC 25 Teilnehmer in Bewegung. AC/DC lief übrigens die ganze Nacht!!! Die Rundenzähler bzw. die "Essenausgabe" sahen aber auch schon aus wie Gründungsmitglieder!
Vom Start weg ging es einen kurzen Abhang hinunter, unter einer Bahnbrücke durch uuund einen kurzen Abhang hinauf, links um die Ecke auf den Schotterweg in das Waldstück. Rechts und links standen Bäume, die ein Kettensägenkünstler in Reiher, Eichhörnchen, Almöhi, Eule und Enzian verwandelt hatte. Schön anzusehen, zumindest, solange es noch leidlich hell war. Schnell stellte sich heraus, das es im Feld zwei Staffeln gab, die alle 2,5 Stunden wechseln wollten, also losmaschiert sind wie die Feuerwehr. Wie aus immer wieder entstehenden Gesprächen zu entnehmen, bestand die Gruppe aus diversen Ultraläufern aller Altersklassen. Der Jüngste, ein Pfarrer von 30 Jahren, mußte irgendwann kurz nach Mitternacht aufgeben, weil sein Magen verrückt spielte und er sich nicht entscheiden konnte Wasser und Verpflegung vorn oder hinten oder doch gleichzeitig von sich zu geben. Und der Älteste war ein 73 Jähriger, der seinen 487 Marathon lief. Wie er mir irgendwann nach 4 Uhr morgens, als wir eine Weile zusammen liefen,erzählte, hat ihn nach einem 100 Km Lauf im Schlaf der Schlaganfall getroffen, ohne das er es mitbekommen hat. Erste Hilfe bekam er erst deutlich nach den entscheidenden ersten Stunden danach und nur dank seiner guten körperlichen Verfassung ist so gut wie nichts zurückgeblieben. Als ich ihn dann auf der Straße ziehen lassen mußte, sah ich im Schein meiner Kopflampe, das er mit dem Oberkörper immer leicht nach rechts gebeugt lief. Anfangs liefen wir in einer Sechsergruppe, zu der auch mein momentan noch ca. 108 Kg wiegender Lauffreund gehörte. Er war bis etwa vor 10 Jahren ein richtig guter und erfahrener 70 Kg Läufer, der sich irgendwann wegen privater Probleme "ein wenig" hat gehen lassen. Etwa in der 6. oder 7. Runde, bis dahin in einem 6:45er Km Schnitt, zog er plötzlich recht zügig davon. Da ich in einen 25 Kg Vorsprung auf ihn habe, hab ich auf der Hinfahrt gewitzelt, egal wie weit, Hauptsache er kommt mindestens einen Platz nach mir rein, ansonsten müsse er halt zusehen wie er heimkommt! Nach dem ich in den nächsten Runden nichts mehr von ihm sah, fing ich doch irgendwann an, mich nach seiner extrem hellen Kopflampe umzusehen. Am Verpflegungspunkt, der übrigens super organisiert war mit Wasser, Tee, Kaffee, Energiedrink, alkoholfreiem Weizen, Kuchen, Riegeln, Schmalzenbrot und auf Wunsch auch Kochwurst und was weiß ich noch alles, mußte man beim Durchlauf immer Bescheid sagen, was man in der nächsten Runde trinken möchte, und das wurde dann, im mit der Start Nr. markiertem Becher, bereitgestellt, habe ich auf den Hinweis "he, trink langsam, Du hast noch einige Stunden zeit" geantwortet: "Nee, ich will so lange wie möglich vor dem "Stämmigen" bleiben. Darauf lachte der Rundenzähler und sagte schmunzeld "das wird Dir sicher gelingen, der liegt seit einer Stunde drinnen am Ofen!" Na toll, und ich reis mir hier voller Angst
den Ar... auf. Also entspannt weiter. Wollte mindestens den Marathon voll haben, bevor ich mir eine Gehpause oder Pause gönnen wollte. Mein Plan war, Marathon in etwa 4:45 Stunden und dann zusehen, was danach noch so geht, notfalls gehen, aber wenn möglich immer in Bewegung bleiben. na ja, hat dann doch knapp über 5 Stunden gedauert und nach etwa 44 Km hab ich mich umgezogen, weil ich das Gefühl hatte ich laufe mir in der langen Hose früher oder später einen Wolf. Die Hose hat eine Innenhose und ich mußte die Buxe laufend hochziehen. Also die 3/4 lange Hose an und halt auch oben trockenes Kurz- und Langarmshirt drüber. Obwohl in der super geheizten Stube umgezogen, bekam ich so einen starken Schüttelfrost, das ich das Bier aus meinem nur zu einem viertel gefüllten Becher verschüttet habe. Also Windjacke drüber und einen Stuhl direkt vor dem ofen platziert ...und promt im sitzen 30 Minuten eingeschlafen. Nach dem wach werden meinen Freund wieder mit raus genommen und tierisch gefroren. Er hatte wohl Probleme mit der Kopflampe, bzw. mit dem laufen mit Licht. In der beginnenden Dämmerung kam er ohne Lampe aber wieder gut zu Recht und hat mich bald abgehängt und für den Rest des Laufes ein recht gleichmäßiges gar nicht mal so langsames Tempo durchgezogen und hat mich doch tatsächlich nach 4 Runden das erste mal überrundet. Hab nach etwa 1,5 Stunden eine weitere Pause eingelegt um meine Schuhe zu wechseln, was, hm, mittlerweile gar nicht mehr so einfach war und mit einer weiteren halben stunde Schlaf im Sitzen bestraft wurde. Das erneute Anlaufen nach dieser Pause war dem Körper auch nur schwer beizubringen!
Aber nach kurzer Zeit war ich wieder drinn und hab dann irgendwann ein Mädel aufgelesen, die mir vorher durch ihr immer gleichmäßiges Tempo, mit dem sie mich einige male überrundet hatte, aufgefallen war, nun aber ging. Hab sie überredet wieder anzuaufen und an mir dranzubleiben. Die letzten zwei Stunden sind wir dann zusammen gelaufen und sie ist als beste Frau ins Ziel gekommen. Mir ist es geglückt ohne Gehpause durchzulaufen, auch wenn die eingangs erwähnte Brückenunterführung sowie eine weitere Senke im Waldstück irgendwann das Gefühl aufkommen lassen es wäre ein Berglauf!
Tja, hab nicht das erreicht, was ich mir im Stillen so erhofft hatte, aber knapp 68 Km sind es geworden. Nach dem duschen in der nahegelegenen Sporthalle, die wir aber trotzdem im Wagen angesteuert haben, gab es noch ein gemeinsammes Frühstück und kurz danach die Heimfahrt. Daheim aus dem Wagen und in den ersten Stock war so einfach nicht. Hatte Körper!
Aber heute geht es schon wieder so, als hätte ich nichts gemacht. Also, mein erster 10 Stundenlauf. Fazit: NIE WIEDER!, bis zum nächsten mal!

Ende Teil 1
 

thomas

Moderator
Teil 2 (weil zu langer Text! ;))

...Ich hatte ja so auf Platz 8 - 10 gehofft, geworden ist es der 4.!
ABER, nach meiner Garmin hatte ich aufgerundet 68 Km, gewertet wurde ich mit 62,5 Km. Heißt dann wohl, das man des nächtens drei meiner Runden (3 * 1,7 = 5,1 + 62,5 = 67,6 Km und auf meiner Uhr waren 67,74) nicht gezählt hat. Macht aber nix!
Übrigens trotz mehrmaliger Überrundung vor meinem Laufkumpel, der daher wieder mit heim fahren durfte. Was übrigens gut war, er mußte ab etwa der halben Strecke übernehmen, weil ich die Augen nicht mehr aufhalten konnte.
In 2014 bin ich dort noch einmal gestartet. Hatte eine Freundin dabei, die noch nie länger als Halbmarathon gelaufen ist. Wir sind zusammen in gemächlichem Tempo los, haben später immer häufiger Gehpausen eingelegt ...und sie hat 33 Km zurückgelegt! Weiter konnte ich sie nicht motivieren. ABER sie war stolz wie Oskar, ihr reichte das um noch wochenlang davon zu schwärmen. Danach allein weiter. Bin dann irgendwann auf einen jungen Burschen aufgelaufen, der am Wegrand stand und seine Wade dehnte. Hatte sich vertreten und wohl eine Zerrung eingefangen. Ich animierte ihn mit mir weiter zu laufen und an mir dran zu bleiben. Was er gern tat. Fortan bildeten wir für etwa drei Stunden eine 'Laufgemeinschaft'. Sehr angenehmer Zeitgenosse. Kurzweilige Gespräche. Bald kam raus das er eine Woche nach einem 24 Stundenlauf 'nur' noch mal so zwischendurch einen Trainingslauf von etwa 80 Km einlegen wollte um in der Woche darauf fit für einen 100 Meiler zu sein!!! :rolleyes: ICH LACH MIR ABER AUCH IMMER LEUTE AN!!! Ihm tat der Haxn weh und mir fiel es schwer. So haben wir uns immer wieder gegenseitig motiviert. Hab den Lauf aber morgens um 6:00 abgebrochen um leidlich früh wieder zu Hause zu sein um nach wenigen Stunden Schlaf den Rest des Tages mit meiner Frau an unserem 23. Hochzeitstag zu verbringen!

Und hier noch der Link zur nächsten Austragung am 2.6.2017
http://www.laufkalender2

4.de/veranstaltung/180228-8.-Sonnenuntergang-Sonnenaufgangs-Lauf-02.06.2017-Apfelstaedt.html
 

thomas

Moderator
Bin dann irgendwann auf einen jungen Burschen aufgelaufen, der am Wegrand stand und seine Wade dehnte. Hatte sich vertreten und wohl eine Zerrung eingefangen. Ich animierte ihn mit mir weiter zu laufen und an mir dran zu bleiben. Was er gern tat. Fortan bildeten wir für etwa drei Stunden eine 'Laufgemeinschaft'. Sehr angenehmer Zeitgenosse. Kurzweilige Gespräche. Bald kam raus das er eine Woche nach einem 24 Stundenlauf 'nur' noch mal so zwischendurch einen Trainingslauf von etwa 80 Km einlegen wollte um in der Woche darauf fit für einen 100 Meiler zu sein!!! :rolleyes: ICH LACH MIR ABER AUCH IMMER LEUTE AN!!! Ihm tat der Haxn weh und mir fiel es schwer. So haben wir uns immer wieder gegenseitig motiviert.
Dieser 'junge Bursche' dürfte dem Ein- oder Anderen sicher bekannt sein. Er läuft jede Woche irgendwo, also ist die Chance ihm irgendwann bei einem Wettkampf über den Weg zu laufen sooo gering nicht! :)

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Hoffentlich klappts bei dir bald wieder mit dem Laufen. Es hat so Spaß gemacht den Text zu lesen. Kann mir bildhaft vorstellen, wie du die Leute durchs Ziel quatschst :D
 
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